Geschichte


1903-07
Der Restaurantbesitzer Hermann Schmidt erweitert seine Gaststätte in der Prinzenallee 33 um einen Festsaal für 300 Personen auf dem Hinterhof des Grundstücks. Der Schmidt´sche Ballsaal war bald eine feste kulturelle Institution im Wedding. Vor allem für die Bewohner des Wedding, meist in einfachen Verhältnissen lebend, bietet der Glaskasten, wie Schmidts Etablissement wegen der Glasveranda vor der Gaststätte genannt wird, ein lohnendes Freizeitangebot in ihrem Kiez. Neben dem Speisebetrieb existieren nun eine Kegelbahn im Untergeschoss und der Festsaal für verschiedene Veranstaltungen. Von Festen und Bällen der Bewohner, Laubenpieper oder Droschkenkutscher über Proben von Theater- und Gesangsvereinen bis zu Ausstellungen von Kleintierzüchtern findet hier alles seinen Platz.

Ende der 1920er Jahre
Gegen Ende der 1920er Jahre dient der Glaskasten immer häufiger auch als Versammlungs- und Agitationsort der kommunistischen Straßenzellen.

1933
Der Glaskasten wird von der SA gestürmt. Die einstige kulturelle Institution für die Arbeiter im Wedding wird zu einem Sturmlokal der SA umfunktioniert. Die Kegelbahn im Untergeschoß dient ihr als Folterkeller für ihre politischen Gegner.

2. Weltkrieg / 1945
Während des Zweiten Weltkrieges wird das Vorderhaus durch Bombenangriffe zerstört. Die französischen Allierten nutzen 1945 den Glaskasten als Kriegsgefangenenlager. Übergangsweise feiert auch die St. Petrus-Gemeinde hier ihre Gottesdienste.

1964-65
Das Vorderhaus wird wiedererrichtet. Weiterhin sind hier Wohnnutzung und Gaststättenbetrieb gemischt untergebracht.

60er bis 70er Jahre
Die Gaststätte floriert in den 1960er bis in die 1970er Jahre, wobei der Glaskasten zunächst als Tanzlokal genutzt wird. Der Theaterbetieb kann sich jedoch nicht lange halten und wird in den siebziger Jahren durch die sogenannten Pilsator-Festsäle abgelöst.

80er Jahre
Noch in den 1980er Jahren ist der Kulturbetrieb in der Prinzenallee 33 im Gange. Aus dem ehemaligen Schmidt´schen Ballsaal war die Discothek "Top Secret" geworden. Als einer der wenigen Veranstaltungsorte im Wedding werden hier Live-Auftritte von Rockgruppen veranstaltet. Seit 1983 stehen sowohl die Kiezkneipe im Vorderhaus als auch der Glaskasten im Hof leer.